„Spektakuläre Attentate“ und „zionistische Propaganda“

dr thoerner webIn deutschen Schulbüchern wird ein einseitiges Israelbild vermittelt. Sie betonen den Nahostkonflikt und lehren nichts über den Alltag im einzigen demokratischen, liberalen Staat im Nahen Osten. „Deutsche Schulbücher tragen Mitschuld an israelfeindlichen Ressentiments von Jugendlichen“, resümiert Dr. Klaus Thörner seine Analyse des Israelbildes, das derzeit in den Schulen verwendete Lehrmaterialien zeichnen.  Auf Einladung des Arbeitskreises gegen Antisemitismus und Antizionismus Mannheim, der Deutsch-Israelische Gesellschaft, Arbeitsgemeinschaft Rhein-Neckar, Mannheim und die Sozialistische Jugend Deutschlands ‒ Die Falken, LV Baden-Württemberg, Stadtverband Mannheim war er am 15. Juni zu einem Vortrag nach Mannheim gekommen.

 

 

Als Mitglied der Arbeitsgruppe „Scholars for Peace in the Middle East ‒ Germany e. V.“ hat er Bücher unterschiedlicher Jahrgangsstufen und Bundesländer untersucht. Das Urteil ist vernichtend: „Falsch, tendenziös und unzureichend“ sei die Darstellung des Nahostkonflikts während die Schüler keine Informationen über das Leben der israelischen Bevölkerung, israelische Wirtschaft oder Innenpolitik erhielten.

 

Diese Kritik ist nicht neu. Bereits 1985 wurde unter Leitung des Leibniz-Instituts für deutsche Schulbuchforschung das Israelbild in deutschen Schulbüchern analysiert. Die deutsch-israelische Expertenkommission bemängelte damals bereits die „exemplarisch-isolierte Darstellung Israels“ und empfahl eine Gesamtdarstellung über Israel. Die Reduktion der israelischen Geschichte auf den Nahostkonflikt befördere die Stereotypenbildung. Auch die einseitige Darstellung des Konflikts aus der Perspektive der arabischen Akteure wurde bereits beklagt. Dreißig Jahre später und mehrere Empfehlungen durch Expertenkommissionen weiter hat sich nur wenig geändert. Die auf das uralte Ressentiment von der jüdischen Allmacht rekurrierende Anschuldigung, die sich in einem Cornelsen-Buch findet, nach der „zionistische Propaganda“ die Welt beherrsche, ist ‒ wenn es dieses Nachweises überhaupt bedurft hätte ‒ damit bereits ausreichend widerlegt.

 

Neben Parteinahme und sachlicher Fehlinformation ist auch die Sprache der untersuchten Israel-Lektionen stellenweise mehr als verwunderlich. Etwa wenn von „spektakulären Attentaten“ die Rede ist oder von der „aufsehenerregenden“ Aktion, als Palästinenser 1972 israelische Sportler in ihre Gewalt brachten. Wie diese Geiselnahme in München endete – mit der erschütternden Folterung und Ermordung der israelischen Olympiateilnehmer – kommt dabei nicht zur Sprache.

 

So ist es in zahlreichen Erläuterungs- und Einleitungstexten gerade das Nichtgenannte, das Ausgelassene, das die Texte so einseitig und unzureichend macht. So etwa, wenn es heißt, „unter Rabins Nachfolgern geriet der Friedensprozess wieder ins Stocken“, und kein Wort über den Terror der Hamas verloren wird.

 

Klaus Thörner führte in seinem 90-minütigen Vortrag vor vollen Stuhlreihen noch eine Fülle von Beispielen aus Schulbüchern aller Jahrgansstufen vor, die geeignet sind, wachsende Vorurteile und Ressentiments gegenüber Israel weiter zu fördern. Gerade in einem Klima von zunehmendem Antisemitismus sind Lehrerinnen und Lehrer gefordert, die Geschichte Israels zu unterrichten. Dabei sollten sie auf alternative Unterrichtsmaterialien zurückgreifen. Die Mitglieder der Scholars for Peace in the Middle East stehen darüber hinaus für Schulungen zur Verfügung.

 

Weitere Informationen:

Dr. Klaus Thörner ist Vorsitzender der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft (DIG) Oldenburg, Vorstandsmitglied der Scholars for Peace in the Middle East ‒ Germany e. V. und Koautor der Ende 2015 erschienenen Broschüre „Pädagogik des Ressentiments. Das Israelbild in deutschen Schulbüchern“.

 

Die Broschüre „Pädagogik des Ressentiments. Das Israelbild in deutschen Schulbüchern“ steht hier zum Download bereit:
http://www.digberlin.de/das-israelbild-in-deutschen-schulbuechern/

DIG Aktuell

Prev Next

Im Feindbild vereint Zur…

Vortrag am Dienstag, dem 27. Juni 2017, 19.30 Uhr, im Jugendkulturzentrum Forum in Mannheim.   Die monatlich erscheinende Zeitschrift »Compact - Magazin für Souveränität« kann als das zentrale Debattenorgan gegenwärtiger Querfront-Bewegungen im deutschsprachigen Raum betrachtet werden. Konstitutiv für die Inhalte des Magazins...

Weiter lesen

Mitgliederversammlung 2017

Einladung zur Mitgliederversammlung am 23. Mai 2017, 19.00 Uhr, im Jüdischen Gemeindezentrum Mannheim, F3, 68159 Mannheim.

Weiter lesen

In 3-D durch Israel

In 3-D durch Israel

Ein Abend mit Raumbildvorträgen in 3D-Technik von und mit Eginhard Teichmann am Mittwoch, 15. März 2017, 19.00 Uhr, im Jüdischen Gemeindezentrum, F3, 68159 Mannheim.

Weiter lesen

Veranstaltungen

Aktuelle Termine finden Sie auf Kaluach.de, der Online-Plattform für Jüdisches Leben, Israel und deutsch-jüdische Geschichte in der Metropolregion Rhein-Neckar:

Copyright by Deutsch-Israelische Gesellschaft Rhein-Neckar, Mannheim 2011. All rights reserved.