Asher Ben-Natan s.A. verstarb am Dienstag, den 17. Juni 2014

bennatan
Die Israelisch-Deutsche Gesellschaft und

die Deutsch-Israelische Gesellschaft

verbeugen sich in Trauer um den Tod des

langjährigen Präsidenten und Ehrenpräsidenten,

 

Botschafter Asher Ben-Natan s.A.

 

Er verstarb am Dienstag, den 17. Juni 2014

in Kfar Saba, Israel. Er wurde 93 Jahre alt.

 

 

Asher Ben-Natan amtierte 1980 bis 2008 als Präsident der Israelisch-Deutschen Gesellschaft und diente seitdem als ihr Ehrenpräsident. Unter seinen vielen Leistungen im Dienste des Staates Israel ragt seine Dienstzeit als erster israelischer Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland von 1965 bis1969 als der Höhepunkt seines Wirkens heraus. In diesem Amt verkörperte Asher Ben-Natan die besonderen Beziehungen zwischen beiden Ländern und ihren Völkern und drückte ihnen den Stempel seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit und seiner Lebenserfahrung für viele Jahre auf, bis heute und in die Zukunft.

Asher Ben-Natan war Sohn der Generation, die die Shoah und die Wiedergeburt Israels erlebte. Er erfuhr am eigenen Leibe die Abgründe jüdischer Ohnmacht in den Katastrophenjahren des blutigen 20. Jahrhunderts; er kämpfte für Israels Unabhängigkeit; und er arbeitete Zeit seines Lebens an Israels Aufbau und an seinem Schutz.

In Wien im Jahr 1921 geboren, Zionist seit frühester Jugend, nahm er den Geist des deutschsprachigen Judentums vor seinem Untergang auf. Als 17jähriger schaffte er während des "Anschlusses" Österreichs die Flucht ins damalige Mandatsgebiet Palästina. Als Pionier und Mitbegründer des Kibbuz Dovrát wurde er von der Untergrund-Armee Hagana mit nachrichtendienstlichen Geheimmissionen beauftragt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er unter einer Tarnidentität in seine Geburtsstadt Wien zurück, um das Geheimbüro der „Brichá“ zu führen, des illegalen Ausschleusens von Shoah-Überlebenden aus Osteuropa nach Eretz-Israel.

Als Vertretungschef des Verteidigungsministeriums in Paris (1956-1959) zur Zeit der "historischen Allianz" zwischen Israel und der Vierten Republik übersah er die geheimen Waffenlieferungen aus Frankreich ins damals belagerte, isolierte Israel. Ebenso arbeitete er in tiefster Geheimhaltung am Abenteuer des israelischen Nuklearprogramms, des Atomreaktors von Dimona, um im Schatten der Schoah das "Nie wieder!" zu Auschwitz ein für allemal abzusichern. Ein großer Teil der Unsummen für den Bau des Reaktors beschaffte er eigenhändig durch eine geheime Kollekte unter jüdischen Philanthropen und brachte es in einem Koffer voller Banknoten in Millionenhöhe nach Israel. Auch organisierte er das Geheimtreffen zwischen Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Strauß und Shimon Peres, damals Generaldirektor im israelischen Verteidigungsministerium, aus dem die militärische Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und Israel hervorgehen würde. Und als er seinen Freund Peres im Amt des Generaldirektors ablöste (1959-1965), arbeitete er am Aufbau der jungen israelischen Rüstungsindustrie und initiierte Israels Raketenprogramm.

In der Rolle als Israels erster Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland (1965-1969), im zweiten Jahrzehnt nach der Schoah, fand Asher Ben-Natan s.A. zu seiner Lebensaufgabe und historischen Größe. Stolz vertrat er in Deutschland den alten Juden, der sich in den neuen Israeli verwandelt hatte. Für sich selbst gewann er eine einzigartige Statur, nicht nur unter der politischen Elite, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit; in einem Deutschland, das seine Vergangenheit zu bewältigen begann, wurde er zu einer moralischen Autorität. Davon zeugen Tausende Briefe, die er aus allen Gesellschaftsschichten erhielt, und die er später als Buch publizierte.

Seine Besuche in deutschen Städten, Schulen, Universitäten und jüdischen Gemeinden - stets jeweils "der erste Besuch" – wurden zu Massenereignissen. Das Herz des deutschen Publikums gewann er mit der ihm eigenartigen Mischung aus scharfem Verstand, moralischer Stärke, Sinn für Humor und ruhiger Würde, die seine Persönlichkeit ausmachten. Und er wusste es, immer im richtigen Tonfall, neben dem steten Wachen auf die Erinnerung an die Vergangenheit, beiden Gesellschaften auch eine Vision von Aussöhnung und Zusammenarbeit für die Zukunft zu zeigen.

Als Botschafter setzte Asher Ben-Natan sein ganzes Gewicht für die Abschaffung der Verjährung von NS-Verbrechen sowie für die Entschädigung der Opfer des Nationalsozialismus ein. Ebenso legte er das Fundament für die "besonderen Beziehungen" zwischen Deutschland und Israel – das ganze Geflecht von Verbindungen in allen Bereichen und auf allen Ebenen, von Wirtschaft, Wissenschaft und Militär bis zur Kultur, zum Sport, Tourismus und Jugendaustausch, von Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Kommunen, Instituten und Firmen zu "einfachen" menschlichen Beziehungen zwischen "normalen" Bürgern. Schließlich, in der angespannten Wartezeit vor dem Sechs-Tage-Krieg, bekam Asher Ben- Natan die enorme Sympathiewelle für das bedrohte Israel zu spüren – und ebenso wusste er, am Ende seiner Amtszeit, den ersten Wellen der Angriffe gegen Israel entgegenzuhalten.

Asher Ben-Natan diente Israel weiter als Botschafter in Frankreich (1969-1973) und als hoher politischer Berater, zuerst des Verteidigungsministers (1974-1977), dann des Ministerpräsidenten und Außenministers (1984-1988); 1978 bis 1983 war er Mitglied des Stadtrats von Tel Aviv.

Er begleitete die "besonderen Beziehungen" weiter als Präsident der Israelisch-Deutschen Gesellschaft von 1980 bis 2008. Dieses Amt verband er mit dem Vorsitz der Ben-Gurion-Stiftung und mit der Beschaffung von Mitteln für zahlreiche Kultur-, Wissenschafts- und Entwicklungseinrichtungen, darunter die Ben-Gurion-Universität, das Haus Hamburg, das Institut zur Wüstenforschung, das Sde-Boker-Kolleg, den internationalen Klavier-Wettbewerb zum Gedenken an Arthur Rubinstein, und viele andere mehr. Seinen Einfluss machte er jahrelang durch öffentliche Auftritte in deutschen Medien und den Schriftwechsel mit vielen deutschen Staatsmännern, darunter Willy Brandt und Helmut Kohl geltend.

In seinem ganzen Wirken stand ihm seine Ehefrau, Erika Ben-Natan s.A. (1921-2012) in einer phänomenalen, symbiotischen 71jährigen Liebesehe zur Seite.  Erika und Asher Ben-Natan mussten den höchsten Preis im Kampf um Israels Sicherheit zahlen: Sie verloren ihren Sohn, Hauptmann Amnon Ben-Natan s.A., der während des Jom-Kippur-Krieges 1973 in der Panzerschlacht auf den Golanhöhen gefallen war. Ihre Trauer haben sie edelmütig getragen und auf ihnen typische Weise ins Positive verwandelt: Sie riefen eine Stiftung ins Leben, die bis heute Hunderte von Stipendien an israelische Studenten vergeben hat.

Asher Ben-Natan wurde mit dem Orden der Französischen Ehrenlegion, mit dem Großen Bundesverdienstkreuz und mit dem Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet, ebenso mit Orden der Republik Gabun und der Elfenbeinküste. Für seinen Beitrag zur Entwicklung der Negev-Region erhielt er den Ben-Gurion-Preis, die Ben-Gurion-Universität verlieh ihm die Ehrendoktorwürde und die Stadt Tel Aviv vergab ihm ihre Ehrenbürgerschaft.

Ab 2012 benannte die Israelisch-Deutsche Gesellschaft zu seinen Ehren ihre jährliche internationale deutsch-israelische Tagung "Asher-Ben-Natan-Konferenz". An der ersten Konferenz, kurz vor seinem 91. Geburtstag, konnte Asher Ben-Natan persönlich, neben vielen anderen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur in Deutschland und Israel teilnehmen. Die Asher-Ben-Natan-Konferenzen werden weiter das zentrale Forum zur Begegnung und Diskussion in den deutsch-israelischen Beziehungen bleiben und Asher Ben-Natans Erbe an eine neue Generation weitergeben.

Die Israelisch-Deutsche Gesellschaft und die Deutsch-Israelische Gesellschaft werden sein Andenken für immer bewahren und sich stets von seinem Wirken inspirieren lassen.

 

Grisha Alroi-Arloser                                                                                

Präsident der IDG     

 

Reinhold Robbe                                                                             

Präsident der DIG e.V.

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